Die Depperten

Wir sind jetzt die Depperten. So hat der Gastwirt und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Mattersburger Commerzial-Bank, Wilhelm Grafl, im Ö1-Mittagsjournal sein Klagelied auf den Punkt gebracht. Der Aufsichtsrat habe sich auf Wirtschaftsprüfer, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht verlassen und nichts von Whistleblower-Anzeigen gewusst. Die kriminellen Machenschaften des Pleite-Bankchefs Martin Pucher haben eh erst vor zwanzig Jahren angefangen, da kann man schon ein bisschen deppert sterben. Und ganz allein sind die pannonischen Kontrollore mit ihrem großen Hopsila ja nicht.

Heimo Scheuch, der Wienerberger-Chef und Aufsichtratsvorsitzende der Wiener Börse, hat zum Klagelied des Herrn Grafl auf Ö1 klare Worte gefunden: Moderne Aufsichtsrats-Tätigkeit heißt auch Risikoanalyse, Verstehen des Geschäftsmodells, Sich-Beschäftigen mit dem Ganzen. Es ist nicht genug, nur eine Aufsichtsratskompensation zu bekommen, man muss mit dem Management tagtäglich in Kontakt sein, arbeiten und verstehen, was im Unternehmen passiert. Und Scheuch generell zum Bankenskandal im Burgenland: Dass so etwas passiert, gerade jetzt, ist ein Desaster für das Land. Der Vorfall schade dem Standort Österreich, weil es um das Bankwesen gehe.

Die Provinzposse auf der großen Bühne

Es ist nicht der erste Bankenskandal im Burgenland. Vor zwanzig Jahren ist die Bank Burgenland mit dem Land als Haupteigentümer nach Malversationen um Kreditvergaben zusammengebrochen, ein SPÖ-Landeshauptmann musste zurücktreten, es folgte eine Neuwahl, die der nächste SPÖ-Landeshauptmann Hans Niessl gewann. Und Niessl hat dann den amtierenden SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil erfunden, der jetzt spannenderweise in dieser Provinzposse unglaubliche Blößen gezeigt hat. Von ÖVP und FPÖ mit Polemiken zur Bankenpleite in die Enge getrieben, glaubte Doskozil sogar auf Bezirkstratsch zurückgreifen zu müssen, um nicht angepatzt zu werden. Es ist ihm nicht gelungen, aber er hat eine gewisse Unsouveränität unter Beweis gestellt.

Der Hans Peter bleibt im Burgenland

Der Hans Peter hat gesagt, er bleibt im Burgenland. Und das Burgenland braucht den Hans Peter mehr denn je. Er kämpft wie ein Löwe. So der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer, der bisher verlässlich bei Doskozil im Boot war, wenn es darum ging, in der Partei Verunsicherung zu stiften. Jetzt ist Dornauer Rendi-Wagner-Fan. Ich bin in engem Austausch mit ihr. Ich kenne ihre Vorstellungen, ich kenne ihre Energie. Ich weiß, dass diese Frau das kann und will. Wer solche Freunde hat und auch sonst keine Verbündeten in der Partei, braucht an ein Fortkommen in der Bundespolitik jedenfalls vorläufig nicht mehr zu denken. Doskozils Sticheleien gegen Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner werden damit wohl ein Ende haben. Das Aus für den SV Mattersburg, der am Tropf der Pleitebank gehangen ist, quasi als Elfmeter für Rendi-Wagner.

Rendi-Wagner verschießt den Elfmeter

Und was tut die gute Seele? Die SPÖ-Chefin stellt sich wie eine Löwin vor den von den politischen Mitbewerbern angepatzten Burgenland-Kollegen und lobt dessen Krisen-Management, das objektiv desaströs war. Der Dank Doskozils war die patzige Replik: Ich bin in keiner Krise, ich brauche daher auch keine Unterstützung. Möglicherweise hat der Burgenländer dabei auch das Umfeld der Parteichefin im Blick gehabt, da könnte man ihn verstehen. Denn wenn Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch zum Schlag gegen den ÖVP-Finanzminister mit seiner Kern-Verantwortung in Sachen Bankenaufsicht ausholt und Gernot Blümel dessen Spin mit den Hopsi-Kindersparbüchern vorhält, dann sitzt er diesem Spin auf. Das ist billiger Wien-Wahlkampf, nicht erwachsene Oppositionspolitik.

ZackZack-Karikatur: Gernot Blümel als Hopsi im berüchtigten Aschbacher-Setting.

Wenn Blümel nicht mehr weiterweiß

Börse-Aufsichtsratschef Heimo Scheuch hat mit Blick auf Blümel etwas ganz anderes unterstrichen: Hier sind natürlich wiederum die politischen Entscheidungsträger gefordert, Klarheit, Transparenz und schnelles Handeln an den Tag zu legen. Gemeint sind die Aufsichtsbehörden des Bundes, die Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht, die bei aller kriminellen Energie des Herrn Pucher über die vielen Jahre dessen Treiben ein Ende hätten bereiten müssen. Sie haben versagt, anders kann man das nicht nennen. Nach Tagen des Schweigens sagte der Finanzminister am Rande eine Pressekonferenz aber nur das: Mit so viel krimineller Energie muss man zum Glück nicht immer rechnen. Und: Es tut niemandem gut, mit Fingern auf verschiedene Institutionen zu zeigen. Wichtig ist eine volle Aufklärung. Eine Arbeitsgruppe ist bereits eingesetzt.

Eine Sommerpause im Zentrum der Macht

Schlimmstenfalls tagt die bis zum nächsten Bankenskandal, der dann wieder passiert sein wird, weil man nur das zu sehen bekommen hat, was gezeigt werden wollte, wie es der Mattersburger Aufsichtsrats-Vize Wilhelm Grafl unnachahmlich ausgedrückt hat. Der Wirtschaftsforensiker Matthias Kopetzky im Standard hingegen so: Natürlich konnte man die Manipulationen erkennen, aber ab einem gewissen Zeitpunkt war die Aufarbeitung für die Betroffenen nicht mehr opportun, weil sie sie schon zu lange übersehen haben. Der Finanzminister im Wahlkampfmodus, der Kanzler sommerlich abgetaucht und der grüne Vizekanzler glücklich dort, wo er mitnaschen darf: im Zentrum der Macht. Da kann man schon auch einmal was übersehen. Möge die Aufarbeitung dennoch gelingen.

2 Gedanken zu „Die Depperten

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