Bürger, hört das Gegacker

Erschienen im EU-Wahlblog von Ö1

Es sind zwei wirklich große Kaliber, die Österreich für Brüssel und Straßburg aufbietet. Die Tageszeitung Die Presse hat sie am Wochenende in einer vom Außenministerium gesponserten Beilage ausgiebig gewürdigt: Hannes Swoboda und Othmar Karas. Beide sehr nah an der Macht, aber ziemlich fern vom Bürger.

Swoboda ist bis zur Konstituierung des neugewählten Europa-Parlaments noch Chef der Sozialdemokraten, der derzeit zweitstärksten Fraktion, und scheidet dann aus. Karas ist amtierender Vizepräsident des EU-Parlaments und noch nicht amtsmüde. Im Gegenteil: Karas fungiert als Spitzenkandidat der ÖVP im EU-Wahlkampf.

Farblosigkeit als Grundausstattung

Beide Politiker haben – abgesehen davon, dass sie im Europa-Parlament große Kaliber sind – noch eines gemeinsam: eine gewisse Farblosigkeit, die früher ja zur Grundausstattung eines EU-Parlamentariers gehört hat. Ganz nach dem Motto: Hast du einen Opa, dann schick ihn nach Europa. Das ist zwar ein böser Spruch, aber ein Körnchen Wahrheit steckt schon drinnen.

Ausgebootet statt aufgestiegen

Wäre Othmar Karas ein Menschenfischer, dann wäre er 1999 als ÖVP-Generalsekretär nicht nach Europa abgeschoben worden, sondern hätte unter Wolfgang Schüssel groß Karriere gemacht – Minister im schwarz-blauen Team Minimum. Und schon gar nicht hätte man ihm 2009 einen gewissen Ernst Strasser vor die Nase gesetzt und ihn als Spitzenkandidat und Leiter der ÖVP-Delegation ausgebootet. Und wäre Hannes Swoboda ein Volkstribun, dann würde er jetzt nicht als Chef der SPE-Fraktion in Pension gehen, sondern als Wiener Bürgermeister.

Stars nur in der EU-Manege

Das wird in absehbarer Zeit Michael Häupl tun. Denn der ist seinerzeit dem legendären Helmut Zilk nachgefolgt und nicht Hannes Swoboda. Der erarbeitete sich fortan große Anerkennung in Brüssel und Straßburg, in Österreich ist das freilich nur Eingeweihten aufgefallen, wie in der Presse-Beilage regelrecht beklagt wird. Dabei weiß Swoboda genau, warum – und er umschreibt es so: Er habe nicht die Kapazität gehabt, auch noch „nach Österreich hineinzuwirken“ oder gar „erzieherisch zu wirken“. Eigentlich ein Armutszeugnis, auch wenn das wahrscheinlich total ungerecht ist.

Rat mal, wer zum Essen kommt

Othmar Karas, einer von 14 Vizepräsidenten des Europa-Parlaments, wird schon im Titel des ihm gewidmeten und von Parteifreund Sebastian Kurz gesponserten Artikels treffend charakterisiert: „Anerkannter Experte mit Verhandlungstalent“, steht da. Und, dass der Präsident des EU-Parlaments, der Sozialdemokrat Martin Schulz, bei Karas privat zum Mittagessen war. Weil Schulz den ÖVP-Mann so sehr schätze und ihm „voll und ganz“ vertraue.

Eine Botschaft, die auch den ÖVP-Wahlkampf prägt, der sich dem Namen Othmar Karas unterordnet, die Partei dahinter versteckt: Er ist einer von ihnen, die Mächtigen Europas gehen bei ihm ein und aus. Der Mann, dem Europa vertraut. Die Herzen der Bürger von Europa kann man so nicht gewinnen. Nicht mit solchen Politikern, bei all ihren unbestrittenen Verdiensten.

Das Chlorhuhn der Herzen?

Es gibt andere, positive Beispiele. Aber der Weg ist noch weit. Wie weit, das zeigt der Fall Eugen Freund: Der SPÖ-Spitzenkandidat hat sich mit Interview-Aussagen über den durchschnittlichen Arbeiterlohn dermaßen ins Out gespielt, dass ihm die Partei eine Gewalttour de Basis verordnet hat. Jetzt wettert Freund bei jeder Gelegenheit gegen die bösen Konservativen und das böse Chlorhuhn. Bürger, hört das Gegacker.

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