How do you tweet

Nicht Armin Wolf sei das Problem, sondern dass es hierzulande zu wenige Seinesgleichen gibt. Das hat Johannes Huber zur laufenden Diskussion geschrieben, wie hart denn Journalisten – speziell ORF-Mitarbeiter – in diesem Land fragen dürfen sollen. Und in dieser Zeit, die von Wahlkampf erfüllt ist. Man muss nur nach Großbritannien schauen, das mit Terrorangriffen geschlagen und wunderbaren Antworten wie dieser darauf gesegnet ist: Dort wird diese Woche gewählt, und der Ton in den TV-Studios ist so rau, dass Armin Wolf dagegen wie ein Weichei wirkt. Aber die Diskussion läuft schon auf einer anderen Ebene.

Tweetest du noch oder postest du schon Katzenbilder? Ein Running Gag über ORF-ler, der eigentlich nicht zum Lachen ist. Aufgekommen ist das, nachdem der neue Leiter des SPÖ-Freundeskreises im ORF-Stiftungsrat, Heinz Lederer, die Interviews von Armin Wolf als hart, aber fair bezeichnet hat. Und im selben Atemzug die Social-Media-Aktivitäten von ORF-Mitarbeitern in Frage gestellt hat. Die Tweets sind ein Problem, hat Lederer gesagt. Bei seinem Gegenüber im ÖVP-Freundeskreis ist er damit offene Türen eingerannt. Nach der jüngsten Stiftungsratssitzung kam dann die Ankündigung des ORF-Generaldirektors: Tweets seien so zu formulieren, dass keine Präferenz, aber auch keine Ablehnung bestimmter politischer Inhalte herauszulesen sind.

Social Media: Maulkorb statt Guidelines?

Dagegen ist nichts einzuwenden. Als ORF-Journalist hat man da tatsächlich eine besondere Verantwortung, der muss man sich bewusst sein. Deshalb gibt es auch die Social-Media-Guidelines und das schon lang. Über die Einhaltung der Regeln wacht ein Ethikrat. Wenn Alexander Wrabetz jetzt eine Interne Mitteilung in Aussicht stellt, die Verhaltensregeln für die Zeit bis zur Nationalratswahl am 15. Oktober beinhalten soll, dann muss dies fast zwangsläufig als Maulkorberlass verstanden werden. Und wurde von manchen Medien auch bereitwillig so verstanden. Der prominente Sozialdemokrat Max Kothbauer hat seine Sorge auf Twitter so ausgedrückt:

Christian Kern als selbstironischer Zensor

Szenenwechsel. Stermann & Grissemann feiern mit einer Jubelsendung zehn Jahre Willkommen Österreich. Ein Satireformat, das sich großer Beliebtheit erfreut und von Wrabetz als ORF-Chef möglich gemacht worden ist. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Comedians nehmen sich bei ihren Gags, Gags, Gags kein Blatt vor den Mund. Die wissen nicht einmal, wie man Maulkorb schreibt. Bei der Jubiläumsausgabe sitzt SPÖ-Prominenz im Publikum, darunter auch der Freundeskreisleiter. Und der SPÖ-Chef und Kanzler höchstpersönlich spielt bei einem Gag mit: Christian Kern gibt den roten Zensor, der die Witzchen von Stermann & Grissemann abnimmt.

Am Ende hätten die Verhör-Kritiker gewonnen

Das Lachen über diese Selbstironie bleibt einem freilich im Hals stecken, wenn man bedenkt, dass es via Medienminister Thomas Drozda ja eben der Kanzler gewesen ist, der den Lobbyisten und früheren Kommunikationschef der SPÖ in den 1990-er Jahren, Heinz Lederer, zum Sprecher der roten Fraktion im Stiftungsrat gemacht hat. Mit dem Ergebnis, dass ORF-Journalisten über Umwege an die Kandare genommen werden könnten, indem ihre Bewegungsfreiheit im Internet eingeschränkt wird. Damit hätten dann jene, die sich über Verhörmethoden beklagt und gelenkten Journalismus unterstellt haben, am Ende vielleicht doch noch gewonnen.

2 Gedanken zu „How do you tweet

  1. …die Frage hier ist auch, warum ‚Verhör‘ überhaupt notwendig ist?… es geht doch endlich um die Sache und die durchsetzende Macht dazu, ist der Wählerwille im Sinne der Verfassung / der demokratischen Rechtstaatlichkeit – sozusagen ist der Job des Politikers ein gemeinnütziger für das Volk und nicht dagegen… m. E. kommt es zum ‚Verhör‘ wenn diese Tatsache in ‚Gefahr‘ zu sein scheint… und das ist gut so bzw. genau da beginnt die Verantwortung der Medien, neben vielen anderen, die sich in der Qualität der Berichterstattung zeigt… ob nun ‚Benimmregeln‘ diese verbessern, weiß ich nicht,…

  2. Meiner Ansicht nach, wird diese Art der „Verhöre“ doch nur eingesetzt, wenn es um den Verlust von macht und Geld geht. Wer sich heute auf die Bundesverfassung der eingerichteten Republik Österreich und der darin verankerten Menschenrechte bezieht ist heute schon ein Verbrecher. Ich wurde z.B. von einem Verwaltungsrichter wegen Beleidigung zu 50 Euro Geldstrafe verurteilt, weil ich auf das 4. Zusatzprotokoll der UN Menschenrechte (übrigens, jeder Einspruch wurde abgewiesen) hingewiesen habe. Damit wurde für mich das Recht auf freie Meinung in Österreich abgeschafft.
    Wie soll es dann ein Sender, wie der ORF schaffen, der sich aus Zwangsgebühren finanziert, investigativen Journalismus jenseits von politischen Pflichten und Hörigkeit zu etablieren? Die Menschen im Land haben schon lange begriffen, dass es die Aufgabe eines Herrn Wolf ist, politisch zu agieren. Ob er will oder nicht. Aber Einschränkung der Meinung, eines objektiven Journalismus, einhergehend mit der Angst des Machtverlustes einer selbst ernannten politischen Elite, fördert geradezu Verhörmethoden. Das dabei Menschen diskreditiert werden, Rufmord ausgeliefert sind und unter die Räder kommen….. das ist heute noch so normal wie bei den Nazis.

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