Star Wars

I could stand in the middle of Fifth Avenue and shoot somebody. And I wouldn’t lose any voters, ok? Das hat Donald Trump im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft gesagt. Er hat gewonnen und niemanden erschossen. Der Filmemacher Michael Moore hat daher den Spruch in Anspielung auf die Rücknahme von Obamas Gesundheitsreform an die Lage angepasst: I could stand in the middle of 5th Ave and take away the health care of 23 million people and nothing would happen to me! Man fühlt sich an das Österreich des Sebastian Kurz erinnert, dem auch die Herzen zufliegen. Das Trump-Ass des Wahlkampfs.

Kurz kann eine gewaltige Steuersenkung ankündigen und lapidare Vorschläge zur Finanzierung machen. Es schadet ihm nicht. Kurz kann auch Forderungen zur Reform von Gesundheitswesen und Pflegesystem stellen, ohne konkrete Lösungsvorschläge mitzuliefern. Schadet ihm auch nicht. Der Mann, der für sich in Anspruch nimmt, die Balkanroute für Asylwerber quasi im Alleingang geschlossen zu haben, ist der Star dieses Wahlkampfs. Schließlich fordert Kurz jetzt die Sperre der Mittelmeer-Route und das Volk jubelt ihm zu. We will build a great wall at the southern border. And Mexico will pay for the wall. Trump will seine Mauer neuerdings mit Solarpaneelen finanzieren. Wer die Mauer im Mittelmeer finanzieren wird, hat Sebastian Kurz offen gelassen.

Das Trump-Ass und ein Schuss Astrologie

Dafür hat Kurz uns seinen neuen Bewegungssprecher vorgestellt, als wäre der ein Schlüsselminister in der künftigen Regierung unter seiner Kanzlerschaft. Peter Eppinger ist jedenfalls die Starbesetzung für diesen Job, hat er doch bisher unter anderem die Sternstunden mit Gerda Rogers auf Ö3 moderiert. Ein Schuss Astrologie ist das, was uns in diesem Wahlkampf gerade noch gefehlt hat. Und ein Video, das einmal nicht den Spitzenkandidaten, sondern eben seinen Bewegungssprecher in den Mittelpunkt stellt.

Gerda Rogers kommt darin übrigens nicht vor. Aber ein Schmetterling, der dem Medienprofi am Schluss des Videos zufällig von der Schulter flattert. Die Medien sind voll davon. Kurz weiß, wie sie ticken. Und angebliche 60.000 Unterstützer seiner Bewegung, deren Mail-Adressen man auch durch das Umfunktionieren der ÖVP-Homepage zu einer Sebastian-Kurz-Fansite gesammelt hat, die können nicht irren.

Lieber Düsseldorf als Küniglberg

Die SPÖ tut sich schwer mit dem ÖVP-Star, der oft einfach nicht da ist, auch wenn es genau um sein Thema geht. Im Zentrum wurde am Sonntag über die Schließung der Mittelmeer-Route diskutiert, mit dabei Gerald Knaus, Erfinder des Türkei-Abkommens, welches die Balkanroute geschlossen hält. Hier hat Kurz mit Widerspruch rechnen müssen. Da diskutiert er lieber in Deutschland, etwa Montag Abend im Düsseldorfer Ständehaus und auf Einladung der Rheinischen Post – wo sie ihm alle zu Füßen liegen. Wer ist dieser gerade mal 30-jährige Sebastian Kurz, der offenbar nichts falsch machen kann auf dem Weg ganz nach oben? Solche Sachen kann man auf der RP-Homepage lesen, und auch das Kurz-Video dort ist durchaus interessant.

Ermöglicher versus Verunmöglicher

Das Kalkül geht auf, die SPÖ zeigt längst Wirkung. Negative Campaigning, das man als vergleichende Werbung verharmlost, läuft schon auf Hochtouren. Kanzler Christian Kern steht in der zentralen Migrationsfrage mittlerweile eher als Verunmöglicher und Verhinderer da, während sich Kurz mit der Mittelmeerroutenschließung als Ermöglicher positioniert hat. Argumente zählen nicht viel, wenn es um Emotionen und Instinkte geht. Sie sind manchmal sogar kontraproduktiv. SPÖ-Star Kern hat dann zwischenzeitlich versucht, dem Dilemma mittels Home-Storys zu entkommen, wie man sie hierzulande schon lange nicht mehr von einem Spitzenkandidaten gewöhnt war. Ö3 und Krone zum Vatertag, dann News und auch noch die UschiFellner-Zeitung. Zum Drüberstreuen ein Video über ein hartes Leben in Simmering mit viel privatem Touch.

Die Leute müssen Kern nur noch glauben

Auf puls4 am Montag Abend dann das erste Sommergespräch mit Corinna Milborn. Neue Akzente hat Christian Kern da nicht gesetzt, aber seine Linie hat er doch sehr klar herausgearbeitet: Er, der verlässliche Verantwortungsträger, der für die Österreicher und nicht für irgendwelche Lobbys arbeiten wolle. Er, für den in der Migrationsfrage die Menschlichkeit im Vordergrund stehe und der beim Gedanken an das Mittelmeer immer das Bild des ertrunkenen Aylan Kurdi vor Augen habe. Die Steuerpläne von Kurz rückte Kern in die Nähe von Schüssel und Grasser, die ja keine besonders gute Nachrede haben. Und die FPÖ sei ihm völlig powidl. Jetzt muss Kern das nur noch eine relative Mehrheit glauben, damit er Erster wird und das Heft des Handelns in der Hand hat.

Schützenhilfe durch das grüne Pilz-Desaster

Die Grünen könnten dem SPÖ-Chef dabei helfen. Die haben unter lautem Getöse ihren Star-Aufdecker Peter Pilz in Polit-Pension geschickt, was auf Twitter und Facebook zu Beileidsbekundungen sonder Zahl geführt hat. Den Kommentaren folgend, müssten die Grünen jetzt hochkant aus dem Parlament fliegen. Das werden sie nicht. Hier haben die Seilschaften des gewieften Machtspielers Pilz ihren Unmut kundgetan. Wer mögliche Star-Allüren des grünen Urgesteins thematisiert, muss weiterhin mit einem Shitstorm rechnen. Aber selbstverständlich darf man das. Die Unprofessionalität ist eine geteilte. Pilz nicht zu halten, war dumm von der Grünen Spitze. Und von Pilz war es ebenso dumm, sich partout nicht halten lassen zu wollen.

Und Strache hat gerade alle Zeit der Welt

Unter den Ersten, die Peter Pilz Tränen nachweinten, war übrigens Heinz-Christian Strache. Der FPÖ-Obmann würdigte den Ausnahme-Parlamentarier ausgiebig.

Strache hat für so etwas Zeit. Während Kern und Kurz im Wahlkampffieber sind und versuchen, sich das nicht anmerken zu lassen, bleibt die FPÖ bei der bekannten Schmied-Schmiedl-Masche in der Migrationsfrage, mit dem Wirtschaftsprogramm haben sie es nicht mehr eilig. Strache weiß: Er wird nach der Nationalratswahl so oder so  eine entscheidende Rolle spielen. Und ist der heimliche Star.

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