Krypto-Siegfried

Die Partei ist geschlossen, von Lasten befreit und hat eine klare Zukunftsstrategie. Norbert Hofers Worte in Kickls und Straches Ohren. Der FPÖ-Obmann hat sich zuerst beinhart der Familie Strache entledigt und sich dann sehr elegant aus dem Koalitionsspiel genommen.  Um die Dinge, die sich auf der innenpolitischen Bühne zutragen, zurückgelehnt zu kommentieren. Speziell die in aller Munde befindliche Annäherung von Schwarz und Grün, die noch lange keine ist. Und über die Hofer sagt: Zum Teil extrem links stehende Grün-Mandatare im Parlament werden – ich kann es kaum anders formulieren – zum Kryptonit des ÖVP-Obmanns werden. Eine subtile Warnung von Siegfried zu Superman.

Man kann es auch googeln, auf Wikipedia steht über Kryptonit: Grünes Kryptonit wirkt wie ein radioaktives Gift. Es schwächt Superman und seine Körper-Aura und kann ihn schlussendlich töten, wenn er ihm über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist, insbesondere, wenn es längere Zeit in seinen Körper eingedrungen ist. Norbert Hofer bescheinigt Sebastian Kurz also übernatürliche Fähigkeiten, um ihm gleichzeitig die aus seiner Sicht größtmögliche Schwäche anzukreiden, nämlich dass er – unser Weg hat doch erst begonnen – im Begriff sei, eine Linkswende im Land einzuleiten. Superman Kurz liefert sich den Gutmenschen und Willkommensklatschern aus, eine Horrorvision für die Hofer- und Strache-Wähler, von denen ein Gutteil bei der ÖVP gelandet ist.

Den Drachen getötet und im Blut gebadet

Strache, der Drache, der die blauen Wähler in Supermans Arme getrieben hat – den hat Hofer mittlerweile selber getötet. Und er hat so ausgiebig in dessen Blut gebadet, dass er sich schon wieder unverwundbar fühlt und sein Spiel spielt. Und dieses Spiel heißt: sich jetzt erst mal aus dem Spiel zu nehmen. Die FPÖ mit ihren nur noch 16,2 Prozent hat ja beinhahe die Hälfte ihrer Wähler verloren und sieht das nicht als Auftrag, weiter mit der ÖVP zu regieren, wie Hofer es so gern getan hätte. Und wie viele Freiheitliche, die ihre Posten im Regierungskomplex zurück haben wollen, insgeheim weiter hoffen. Das war also Hofers Ansage, der sogleich die Festlegung folgte, dass die FPÖ vorerst auch keinerlei Sondierungsgespräche mit der ÖVP führen wolle. Als ob es diese brauchen würde. Schwarz-Blau hat eine klare inhaltliche Agenda, wozu also viel sondieren.

Koalitions-Optionen im Schwarzen Loch

Doch der kryptische Siegfried Hofer hat verwundbare Stellen. Sein Lindenblatt heißt Herbert Kickl. Deshalb will der FPÖ-Obmann auch Zeit gewinnen. Sollten alle Stricke reißen, sprich: sollte das mit den Grünen oder den Roten am Ende doch nichts werden, dann werde man das blaue Nein zum Weiterregieren noch einmal überdenken, sagt Hofer. Das sagt sich leicht, dass muss er dann innerparteilich erst durchsetzen. Deshalb hat es Hofer nicht eilig und schürt er mit Sagern der Marke Kryptonit die negativen Emotionen im bürgerlichen Lager. Dass die Kurz-Vertraute Elisabeth Köstinger der FPÖ wegen der Aussagen in Richtung Opposition schon Flucht aus der staatspolitischen Verantwortung vorgeworfen hat, drückt die Stimmung bei den Schwarzen besser aus als die aufgesetzte Coolness von Sebastian Kurz, der der FPÖ-Spitze ausrichten ließ, er respektiere deren Kurs in Richtung Opposition. Lässig gehen Optionen zugrunde.

Master of the Game. Doch Superman Sebastian Kurz – fotografiert von Matthias Cremer, in einem Standard-Artikel – kommen die Koalitions-Optionen abhanden.

Rote Selbstfindung und blaue Suppenküchen

In Wahrheit hat Kurz nämlich schon nach der ersten Gesprächsrunde mit den anderen Parteichefs in diesem etwas seltsamen Ambiente des Winterpalais von weiland Prinz Eugen jeden Spielraum verloren. Die SPÖ auf einem skurrilen Selbstfindungs-Trip, wo die einen ein System zerschlagen wollen, das System sich aber nicht zerschlagen lassen will und die Parteivorsitzende als Geisel hält. Die FPÖ im selbstgewählten Exil, wo die Straches ihr Süppchen der Zerrüttung kochen und wo Kickl die Messer wetzt. Die Grünen können den Preis in den kommenden Gesprächen wohldosiert, aber sicher hochtreiben. Sie sind der logische Koalitionspartner, und es ist in erster Linie Kurz, der liefern muss. Das ist dem ÖVP-Obmann und den Parteigranden unter ihm schmerzlich bewusst.

Superman schickt seine Grün-Herolde aus

Doch Superman schwächelt nicht. Er hat vielmehr schon seine Herolde ausgeschickt, die uns eine frohe Botschaft verkünden. Eine Koalition mit den Grünen ist eine neue Alternative, weil sie eine gewisse innerliche bürgerliche Sehnsucht verkörpert, in deren Zentrum Gemeinsamkeiten stehen, die ideengeschichtlich vielleicht größer sind als diejenigen mit anderen Parteien, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer im Interview mit der Wiener Zeitung. Und er legt noch eins drauf: Ökologie und Wirtschaft in eine Balance zu bringen, ist in der politischen DNA der ÖVP fest verankert. Und viele Gründer und Gründerinnen der Grünen kommen aus dem bürgerlichen Umfeld. Von daher gibt es, auch wenn das einige vielleicht nicht hören wollen, eine gewisse Seelenverwandtschaft, die so mit anderen Parteien nicht besteht.

Die nicht fiktive Vergiftung und Spaltung

Und was, wenn Mahrers in Serien-Interviews gepriesener Green New Deal auf Österreichisch am Ende doch nicht funktionieren sollte? Dann wartet eben Siegfried mit dem Lindenblatt. Um die staatspolitische Verantwortung einzulösen, vor der sich eine ehemalige Regierungspartei in der BKAZ  (Beliebteste Koalition aller Zeiten) doch nicht drücken kann. Und vielleicht hat Norbert Hofer dann wieder eine Weisheit aus dem Reich der Superhelden parat. Doch Achtung, Wikipedia weiß da zum Beispiel das: Schwarzes Kryptonit hat die Fähigkeit, die Persönlichkeit eines Menschen in zwei Teile, einen Guten und einen Bösen, zu spalten. Wie sich das auswirken würde, wenn die Spaltung in Good Cop und Bad Cop längst gelebte politische Praxis ist wie bei Hofer und Kickl, das will man sich lieber nicht vorstellen. Denn der demokratiepolitische Kollateralschaden durch nicht fiktive Vergiftung und Spaltung ist auch so schon groß genug.

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